Exkursion zur NS-Gedenkstätte Mauthausen – trotz Corona

Die Frage, warum wir mit den beiden Maturaklassen 5ak und 5bK in einer Zeit der Pandemie diese Exkursion durchführten, erübrigt sich, wenn man die Statements der Schüler und Schülerinnen liest. Diese Fahrt war wichtig, prägend, nachhaltig und unersetzlich. Wir danken den Schüler*innen, dass sie einer Veröffentlichung zugestimmt haben. Bitte lesen Sie, was die jungen Leute zu sagen haben, es ist so wichtig und großartig und gibt so viel Hoffnung.

Mag. Werner Trnka und Mag. Ulrike Pollak                                        

Kaan: Geschichte liegt mir sehr am Herzen. Ich war schon immer sehr an Geschichte interessiert, deshalb war mir diese Exkursion besonders wichtig. Dokumentationen und Filme über den zweiten Weltkrieg anzusehen, gehörte eine Zeit lang zu meinen Hobbys. Von diesem Ausflug versprach ich mir sehr viel.

Um die Atmosphäre besser wahrzunehmen, versuchte ich mich in einen Häftling hineinzuversetzen. Seine Wahrnehmung, seine Gedanken und seine Erwartungen wollte ich übernehmen, um diesen Ort besser zu verstehen. Als ich die burgähnliche Festung das erste Mal zu Gesicht bekam, erfasste mich die Gänsehaut. Die ersten Gedanken, die mir einfielen: Da sind wir, wo unzählige Menschenleben vernichtet wurden und sich eine der größten Unmenschlichkeiten unserer Geschichte ereigneten.

Worte reichen nicht aus,  diese Unmenschlichkeit, die damals den Häftlingen widerfahren ist, auszudrücken. Deshalb werde ich nur auf meine Gedanken eingehen.

Nach jeder Station wurde mir bewusst, dass meine Probleme eigentlich keine Probleme sind. Mir ist aufgefallen, wie selbstsüchtig und gierig ich doch eigentlich bin. Mein Wunsch, immer mehr und mehr zu haben, hat mich zum Schämen gebracht, als wir über die jeweiligen Stationen aufgeklärt wurden. Ich beschwere mich über Dinge, wovon manche Menschen abends nur träumen können. Mir ist wieder bewusst geworden, wie wohlhabend und gut es uns geht. Davor habe ich Ungerechtigkeiten, die in unserem Alltag passieren, öfters ignoriert, weil ich mir gedacht habe, dass es sich nicht lohnen würde, die Person mit ihren rassistischen Aussagen zu konfrontieren. Nach unserer lehrreichen Exkursion möchte ich nicht mehr ruhig dasitzen, wenn eine Frau aufgrund ihres Kopftuches blöd angemacht wird. Ich möchte diesen Menschen keine Chance mehr geben, ihren dummen und rassistischen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Sangeet: Mich hat die Exkursion sehr zum Denken angeregt. Vor allem bei der Gaskammer, den Duschen und den Russenlager ist es mir kalt über dem Rücken gerannt. Ich konnte nicht fassen wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten, nur weil sie eine andere Herkunft bzw. Religion hatten. Es ist schrecklich, dass es damals so weit gekommen ist. Vor der Führung konnte ich mir vieles nicht vorstellen, aber wenn man den Ort erst sieht, wird einem bewusst, wie hart und schauervoll diese Zeit war. Man kann sich gar nicht vorstellen was man selbst in dieser Zeit getan hätte, ich selbst habe mir oft danach die Frage gestellt, was ich in dieser Situation getan hätte…

Eins ist mir klar geworden, wir sollten immer helfen, wo wir können, immer gegen Unrecht unsere Stimme erheben, damit wir schlimme Geschehnisse verhindern können. Sogar im Zweiten Weltkrieg gab es Leute, die sich gegen Ungerechtigkeit erhoben, den Häftlingen geholfen und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Wenn sie es geschafft haben, sollten wir es heute erst recht können. Wir haben eine Meinungsfreiheit, wir dürfen bei Wahlen unsere Stimmen denjenigen geben, die für eine gute Zukunft in unserem Land sorgen. Also nutzt eure Chance und lasst nicht zu, dass anderen oder euch selbst etwas Schlechtes  passiert.

Emanuele: Im Rahmen unseres Deutsch/IWK-Unterrichts haben wir die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen besucht. Diese Exkursion hat mein geschichtliches Wissen im Bereich des Holocaust erweitert und mich zugleich erschüttert. Die damaligen Ereignisse in den Zeiten des NS-Regimes haben ihre Spuren hinterlassen , auch in unserer Generation. Es ist die Verantwortung unserer Generation, ein Wiederholen dieses tragischen, traumatischen und menschenverachtenden Ereignisses mit aller Kraft zu verhindern. Durch die richtige Entscheidung am Wahltag kann man ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen. Die systematische Vernichtung von Juden, Behinderten, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen sowie Karikaturisten hat sich nicht über Nacht ergeben. Kleine Schritte waren es, die die damalige Gesellschaft in die Fänge des absolut Bösen trieben.

Aus meiner Sicht ist es essentiell, junge Menschen durch die Vermittlung von Bildung aufzuklären, um zu verdeutlichen, wie es zu dem Holocaust kommen konnte.

Die Geschichte wurde greifbarer und das Leid der Menschen war spürbar, während wir das ehemalige KZ betraten. Die Geschichte lastet auf den Schultern jedes Österreichers und jeder Österreicherin, sie ist wie ein Rucksack, der nie an Gewicht verlieren wird, da das antisemitische Gedankengut in unserem Land nicht ausgestorben ist  und auch nie aussterben wird.

Es gilt, sich für eine Welt einzusetzen, die keine Art von Diskriminierung toleriert. Wie schon zuvor erwähnt, schlich sich der systematische, politische Hass gegen Minderheiten langsam und leise in die Gesellschaft ein. „Einzelfälle“, wie sie in der Landschaft der österreichischen Politik immer häufiger auftreten , müssen alarmierend wirken und nicht als kleine Ausrutscher betrachtet werden. Besonders in den Zeiten der Corona-Pandemie ist es wichtig, auch andere Themen im Auge zu behalten. Rechtsextreme Politiker waren stets an vorderster Front, wenn es darum ging, Krisensituationen für ihre Zwecke auszunutzen. Krisen machen die Menschen gefügig, träge, hoffnungslos und wütend, alles Eigenschaften, die leicht dazu führen können, in falsch denkenden und amoralischen Anführern ein Vorbild zu sehen und somit ihr abartiges und feindseliges Gedankengut zu befeuern.

Ich möchte mit diesem Statement an jeden appellieren, der für eine bessere und progressivere Welt einsteht, es liegt in unserer Verantwortung rechtsextreme und menschenfeindliche Bewegung mit allen unseren verfügbaren Ressourcen zu unterwandern, ganz besonders mit der Waffe der freien Meinungsäußerung und der flächendeckenden Aufklärung über die tatsächlichen Machenschaften während des Holocaust.

Valentin: Wenn ich mir vorstelle, unter welchen Bedingungen die Menschen dort hingebracht, ausgebeutet, gefoltert und schließlich umgebracht wurden,  bekomme ich ein Gefühl der Wut und der Trauer. Ich habe mich gedanklich in die Schuhe derjenigen, die in dieses KZ-Lager transportiert wurden, begeben, um eine Ahnung zu bekommen, wie sie sich gefühlt haben.

Wir sind in die Baracken reingegangen und haben uns die Räume angeschaut. Den Gedanken, dass in so einer Baracke rund 150 Menschen „leben“ mussten, kann ich immer noch nicht nachvollziehen.
Die Räume waren eng und sie hatten keine Heizung. Unter solchen Bedingungen mussten diese Menschen aufstehen und ihre Arbeit verrichten. All dies und noch der Hunger und Schmerz dazu, nicht wissend, ob sie den nächsten Tag erleben würden.

Zuletzt sind wir ins Krematorium gegangen. Für mich war dies der depressivste Teil der Exkursion.
Als wir dort standen, konnte ich die negative Atmosphäre in dem kleinen, durch Kerzen beleuchteten und mit Bildern gefüllten Raum spüren. Man muss sich vorstellen, dass die Menschen wie Arbeitsware gesehen wurden. Wenn sie nicht mehr zum Gebrauch dienten, wurden sie ermordet und ihre Leichen wurden verbrannt.

Dieser Ausflug hat sehr viele offene Fragen in mir hinterlassen. Wieso konnten einige Menschen solche grausamen Taten gegenüber anderen begehen? Ich habe nie so einen Hass und so eine Trauer an einem Ort gefühlt wie dort. Wieso haben Menschen kein Mitleid mit einem anderen? Wir alle sind hier, um das Leben miteinander zu genießen und um das Leben von uns allen schöner zu machen.

Anastasia: Mauthausen ist ein Ort der Trauer, des Grauens und des Nachdenkens.

Ich hatte früher nie wirklich ein Bild vor Augen, wie es wohl für die Abertausenden von Gefangenen gewesen sein musste, an so einem Ort zu leben und zu sterben.

Ich weiß nicht wie ich es am besten ausdrücken soll, aber ich finde, es war nicht unbedingt eine schöne oder spektakuläre Exkursion , es war eher ergreifend, unvergesslich und irgendwie auch für mich sehr bedrückend. Wir sollten niemals vergessen, zu welch unvorstellbaren Grausamkeiten Menschen fähig sind.

Gerade heute ist es wichtig, dass sich Schülerinnen und Schüler mit den Gräueltaten des NS-Regimes auseinandersetzen. Es geht darum, dass die heutige und zukünftige Generation nicht vergisst, wie unerlässlich es ist, verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Jeder Mensch hat das Recht zu leben, seinen Glauben zu praktizieren ohne Angst zu haben, sein Leben dafür geben zu müssen.

Wir können uns unsere  eigene Meinung bilden  und diese sollen wir auch vertreten! Denn zusammen sind wir stark und können verhindern, dass so ein Leid, das Menschen in Mauthausen ertragen mussten, wieder passiert. Rassismus, Faschismus und Antisemitismus sollen der Vergangenheit angehören!

Armina: Es fällt mir schwer, die Eindrücke aus dem ehemaligen Konzentrationslager zu verarbeiten. Wenn ich an den Tag denke, entsteht ein ganz komisches Gefühl in mir. Trauer um alle, die in der Einrichtung gestorben sind. Wut, dass so etwas unglaublich Grauenerregendes passieren konnte und heute noch von Neo-Nazis verharmlost wird. Verwirrung, aber auch Angst. Die erste Frage, die ich mir stelle: Wie können Menschen dazu fähig sein, einen kaltblütigen Mord zu begehen und andere zu quälen? Für mich gibt es hierzu keine rechtfertigende Antwort.
Einer der schlimmsten Momente für mich persönlich war, als ich vor den Verbrennungsöfen stand. Wenn ich nun daran denke, dass es immer noch Menschen gibt, die eine solche Tötungsvorrichtung rechtfertigen und verharmlosen, bin ich schockiert. Es passieren noch heute so viele Dinge in der Welt, die klar und deutlich auf ein menschenverachtendes Verhalten deuten und doch tun nur die wenigsten etwas dagegen. Um Frieden auf der Welt zu schaffen, müssen sich mehr Menschen für andere einsetzen und sich bestimmten Vorgehensweisen und Denkweisen widersetzen.

Mirela: Diese Exkursion war nicht mein erster Besuch in Mauthausen. Ich war im Sommer mit meinen Eltern und meinem Bruder privat dort. Wir hatten keine Führung, sondern sind selbstständig mit dem zur Verfügung gestellten Audioguide durch das ehemalige Konzentrationslager gegangen. Wenn ich die beiden Besuche vom Input her vergleiche, muss ich sagen, dass der Besuch mit der Klasse allein durch die Führung effektiver und lehrreicher war. Ich habe mir noch längst nicht alle Exponate angesehen und durchgelesen, also vermute ich, dass ein dritter Besuch nicht auszuschließen ist.

Menschen jeglicher Herkunft werden durch diese Aufarbeitung der Geschichte darauf aufmerksam gemacht, was passiert, wenn ein Tyrann die absolute Macht über ein Land erhält. Er nimmt und vergibt willkürlich Rechte und entscheidet so weitgehend über den Wert eines Menschen, indem er ihn am Leben lässt oder tötet.

Durch die Geschichte haben wir viel gelernt, aber meiner Meinung nach nicht genug. Wir leben im 21. Jahrhundert und hören täglich enorm viele Schreckensnachrichten, die durch die Macht- und Habgier einiger politisch Mächtiger hervorgerufen werden. Menschen führen Kriege, foltern einander, töten einander und fügen einander unermessliches Leid zu. Ich appelliere an alle: Setzt euch für den Frieden ein und werdet aktiv!

Isminur: Mauthausen ist eine Exkursion, die ich nicht vergessen werde, weil ich immer schon dort hinfahren wollte und ein Interesse daran habe zu erfahren, wie die Menschen damals gelebt haben und was sie in dieser Situation alles durchmachen mussten.

Was ich mir von der Führung mitgenommen habe, ist, dass ich auf jeden Fall versuchen werde, meine Meinung gegenüber Unrecht zu äußern.